Zieht eine PV-Anlage Blitze an?
Nach VDE erhöht eine PV-Anlage auf einem normalen Dach die Wahrscheinlichkeit eines Blitzeinschlags grundsätzlich nicht. Das Gebäude wird durch die Module meist nur unwesentlich höher. Trotzdem können direkte oder nahe Blitzeinschläge hohe Ströme und Überspannungen in PV- und Gebäudeinstallation verursachen.
Äußerer Blitzschutz und Überspannungsschutz trennen
Der äußere Blitzschutz soll direkte Blitzströme kontrolliert ableiten und einen direkten Einschlag in gefährdete Gebäudeteile möglichst vermeiden. Der innere Blitz- beziehungsweise Überspannungsschutz begrenzt dagegen gefährliche Spannungsunterschiede in elektrischen Anlagen und Geräten.
Ein Überspannungsableiter ersetzt daher nicht automatisch ein erforderliches äußeres Blitzschutzsystem – und ein äußerer Blitzschutz macht abgestimmte Überspannungsschutzmaßnahmen nicht überflüssig.
Gebäude mit vorhandenem Blitzschutzsystem
Ist bereits ein Blitzschutzsystem vorhanden, darf die PV-Anlage dessen Schutzwirkung nicht verschlechtern. Module, Gestell, Leitungswege und Fang-/Ableiteinrichtungen müssen deshalb gemeinsam geplant werden. Ein zentrales Thema ist der berechnete Trennungsabstand zwischen Blitzschutzleitungen und PV-Komponenten.
Kann dieser Abstand nicht eingehalten werden, ändert sich das Schutzkonzept. Solche Entscheidungen gehören zu einer qualifizierten Blitzschutz- und Elektroplanung und nicht in eine pauschale Montageanweisung.
Gebäude ohne äußeren Blitzschutz
Wenn kein äußerer Blitzschutz vorhanden und auch nicht vorgeschrieben ist, bedeutet eine PV-Anlage nicht automatisch, dass nachträglich immer ein komplettes äußeres Blitzschutzsystem installiert werden muss. Welche Schutzmaßnahmen angemessen sind, hängt von Gebäude, Risiko, Leitungsführung und technischer Ausführung ab.
VDE empfiehlt auch ohne äußeren Blitzschutz abgestimmte Maßnahmen für Potentialausgleich und Überspannungsschutz, damit indirekte Blitzwirkungen und netzseitige Überspannungen begrenzt werden.
SPD Typ 1, Typ 2 und Kombinationen nicht aus einer Tabelle kopieren
Überspannungs-Schutzeinrichtungen werden als SPD (Surge Protective Device) bezeichnet. Ob Typ 1, Typ 2 oder eine Kombination erforderlich ist und an welcher Stelle sie sitzt, hängt unter anderem davon ab, ob Blitzteilströme auftreten können, ob ein äußerer Blitzschutz vorhanden ist, wie Leitungen geführt werden und welche Schutzgeräte im Wechselrichter bereits integriert sind.
Deshalb sollten Angebot und Schaltplan die tatsächlich vorgesehene SPD-Lösung auf AC- und DC-Seite benennen, statt nur allgemein „Überspannungsschutz enthalten“ zu schreiben.
Potentialausgleich und Montagegestell
Metallische Montagesysteme und elektrische Schutzmaßnahmen müssen nach dem gewählten Konzept korrekt in den Potentialausgleich beziehungsweise Blitzschutz eingebunden werden. Eine beliebige Verbindung von PV-Gestell und vorhandenen Blitzschutzleitungen ist dabei nicht automatisch richtig.
Besonders bei Bestandsgebäuden sollte der Fachbetrieb dokumentieren, wie Gestell, Haupterdungsschiene, Potentialausgleich und vorhandener Blitzschutz zusammenwirken.
Leitungsführung ist Teil des Schutzkonzepts
Große Leiterschleifen können bei nahen Blitzeinschlägen höhere induzierte Überspannungen begünstigen. Deshalb gehört die Führung von DC-Leitungen, Potentialausgleich und gegebenenfalls Blitzschutzleitungen bereits in die Planung – nicht erst in die Fehlersuche nach einem Schaden.
Wechselrichter: integrierter SPD genau prüfen
Manche Wechselrichter enthalten bereits bestimmte Überspannungsschutzgeräte. Entscheidend ist aber, welche Schutzart und welche Seite tatsächlich integriert ist und ob das zum gesamten Gebäudekonzept passt. „SPD integriert“ bedeutet nicht automatisch, dass außerhalb des Geräts keine weiteren Schutzmaßnahmen erforderlich sind.
Nach Blitz oder Überspannung
Nach einem direkten oder vermuteten Überspannungsschaden sollte nicht nur geprüft werden, ob der Wechselrichter wieder startet. Auch Schutzgeräte, Kommunikationskomponenten, Leitungen und gegebenenfalls Speicher können betroffen sein. Auffällige Fehlercodes oder Ertragsabbrüche gehören in eine fachliche Diagnose.
PV nach Hagel, Sturm & Gewitter prüfen →
PV im Brandfall
Ein Blitz- oder Überspannungsschaden kann auch mit einem Brandereignis zusammenhängen. Eigentümer sollten wissen, dass eine AC-seitige Abschaltung nicht automatisch jede DC-Leitung auf dem Dach spannungsfrei macht. Für den Feuerwehreinsatz sind deshalb klare Kennzeichnung, Anlagenplan und Informationen zu Wechselrichter und Speicher wichtig.
Photovoltaik im Brandfall & Feuerwehr →
Was sollte im PV-Angebot stehen?
- Bestehenden äußeren Blitzschutz erfassen.
- Blitzschutz-/Trennungsabstand-Konzept dokumentieren, sofern relevant.
- Potentialausgleich und Erdungsbezug beschreiben.
- SPD auf AC- und DC-Seite konkret benennen.
- In Wechselrichter integrierte Schutzgeräte separat ausweisen.
- Leitungsführung und Schnittstellen mit bestehender Elektroinstallation abstimmen.
- Schutzkonzept nach relevanten Anlagenänderungen erneut prüfen.