Warum der Dachzustand vor der PV wichtig ist
Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass eine Photovoltaikanlage mehr als 20 Jahre an ihrem Platz bleiben soll. Wird in dieser Zeit eine Sanierung der darunterliegenden Dachfläche notwendig, müssen Teile der Anlage gegebenenfalls demontiert, zwischengelagert und später wieder montiert werden. Dazu kommen häufig erneut Gerüst- und Arbeitskosten.
Deshalb ist ein älteres Dach nicht automatisch ungeeignet. Aber vor der PV-Planung sollte ein Dachdecker oder eine andere geeignete Fachperson einschätzen, ob die Dachhaut die geplante Nutzungsdauer voraussichtlich mitmacht oder eine Sanierung ohnehin absehbar ist.
Was sollte am Dach geprüft werden?
- gebrochene, verrutschte oder stark verwitterte Ziegel und Dachplatten,
- Unterspannbahn, Abdichtung und bekannte Feuchteschäden,
- Anschlüsse an Gauben, Kamine, Dachfenster und Durchdringungen,
- Zustand der Lattung beziehungsweise Unterkonstruktion, soweit zugänglich und relevant,
- geplante Befestigung der PV-Unterkonstruktion,
- bestehende Dichtigkeits- oder Dachdecker-Garantien, die durch Fremdarbeiten berührt werden könnten.
Statik und zusätzliche Dachlast
PV-Module, Unterkonstruktion und gegebenenfalls Ballast bringen zusätzliche Last auf das Dach. Besonders bei Flachdächern, großen Anlagen, älteren Tragwerken oder auffälligen Konstruktionen sollte die Tragfähigkeit fachlich geklärt werden. Neben dem Eigengewicht spielen auch Wind- und Schneelasten sowie die konkrete Befestigungsart eine Rolle.
Eine pauschale Aussage wie „das Dach trägt immer eine normale PV-Anlage“ ist deshalb keine belastbare Statikprüfung.
Flachdach: Abdichtung vor der PV besonders ernst nehmen
Auf einem Flachdach sollte vor der Nachrüstung nicht nur die Tragfähigkeit, sondern auch die Regendichtheit und der Zustand der Abdichtung geprüft werden. Eine später notwendige Erneuerung von Folien oder Dachbahnen kann unter einer bereits montierten Anlage deutlich aufwendiger werden.
Gleichzeitig muss das Montagesystem zur Dachhaut passen und die Entwässerung frei bleiben. Ablaufpunkte, Wartungswege und notwendige Randabstände gehören deshalb in die Belegungsplanung.
Photovoltaik auf Flachdach: Statik, Ballast, Ost-West & Entwässerung →
Alte Faserzement- oder Welleternitdächer: Asbestverdacht zuerst klären
Bei älteren Faserzementplatten kann Asbest enthalten sein. Die Verbraucherzentrale empfiehlt bei alten Welleternit-Dächern ausdrücklich zu prüfen, ob Asbest vorliegt, bevor eine PV-Anlage geplant wird. Ist Asbest vorhanden, darf die Dachfläche nicht einfach wie ein normales Dach gebohrt oder bearbeitet werden.
Die BAuA weist darauf hin, dass Arbeiten an asbesthaltigen Bauprodukten strengen gesetzlichen Beschränkungen und Schutzanforderungen unterliegen. Die TRGS 519 regelt Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten. Bei Verdacht deshalb keine Probebohrungen, Schleif- oder Schneidarbeiten in Eigenregie durchführen, sondern Material und weiteres Vorgehen fachlich klären lassen.
Wann spricht viel dafür, zuerst das Dach zu sanieren?
- Die Dachhaut ist bereits undicht oder sichtbar stark geschädigt.
- Eine Erneuerung ist ohnehin in wenigen Jahren geplant.
- Alte Folien-/Flachdachabdichtung hat nur noch begrenzte Restlebensdauer.
- Asbesthaltige Dachplatten müssen fachgerecht entfernt werden.
- Eine energetische Dachsanierung ist ohnehin geplant.
- Die neue Dachkonstruktion soll PV-Befestigung oder Indach-PV direkt berücksichtigen.
Dachsanierung und PV als ein Projekt planen
Wenn eine Sanierung ohnehin notwendig ist, können Dachdecker- und PV-Arbeiten zeitlich koordiniert werden. Das kann doppelte Baustelleneinrichtung vermeiden und ermöglicht, Leitungswege, Dachhaken, Durchdringungen und spätere Wartungswege frühzeitig abzustimmen.
Bei einer kompletten Dachsanierung kann außerdem geprüft werden, ob klassische Aufdach-PV oder eine in die Dachhaut integrierte Lösung zum Gebäude passt. Die Entscheidung sollte aber technisch und wirtschaftlich getroffen werden, nicht nur nach Optik.
Was muss ins Angebot?
- Dachzustand vor Angebotsfreigabe dokumentieren.
- Befestigungsart und Zuständigkeit für Dacharbeiten festhalten.
- Gerüstkosten und mögliche Dachdeckerarbeiten separat ausweisen.
- Bei Flachdach Abdichtung, Ballastierung und Entwässerung klären.
- Bei Asbestverdacht erst Material-/Sanierungsfrage lösen, dann PV beauftragen.
- Garantien der bestehenden oder neuen Dachhaut mit der PV-Montage abstimmen.