Ist ein Flachdach für Photovoltaik geeignet?
Ja, grundsätzlich. Die Verbraucherzentrale nennt Flachdächer ausdrücklich als geeignete Dachflächen für Photovoltaik. Anders als beim geneigten Dach lässt sich die Modulorientierung auf der Unterkonstruktion weitgehend frei planen. Technisch entscheidend ist aber, ob das konkrete Dach die zusätzliche Anlage dauerhaft und ohne Probleme für die Abdichtung aufnehmen kann.
Süd oder Ost-West?
Auf dem Flachdach können sowohl nach Süden gerichtete Reihen als auch Ost-West-Felder geplant werden. Eine Südausrichtung zielt stärker auf hohe Produktion rund um die sonnenreichen Tagesstunden. Ost-West kann mehr Module auf derselben Fläche ermöglichen und die Erzeugung stärker auf Vormittag und Nachmittag verteilen. Welche Variante besser passt, hängt von Dachgeometrie, Verschattung, Lastprofil, Reihenabständen und dem konkreten Montagesystem ab.
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Statik: nicht nur das Modulgewicht betrachten
Zum Eigengewicht von Modulen und Unterkonstruktion können bei bestimmten Montagesystemen zusätzliche Ballastlasten kommen. Gleichzeitig wirken Wind- und Schneelasten auf das System. Deshalb sollte die Tragfähigkeit des Bestandsdachs fachlich geprüft werden – besonders bei älteren Gebäuden, großen Anlagen oder wenn zusätzlich ein Gründach vorgesehen ist.
Eine Flächenangabe in kg/m² aus einem einzelnen Datenblatt ersetzt dabei nicht die projektbezogene Betrachtung von Tragwerk, Lastverteilung, Rand- und Eckbereichen sowie dem tatsächlich gewählten System.
Dachabdichtung vor Montage prüfen
Verbraucherzentrale empfiehlt bei bestehenden Flachdächern, neben der Statik auch die Regendichtheit sorgfältig prüfen zu lassen. Eine PV-Anlage soll lange liegen; eine bald notwendige Sanierung der Dachbahn würde später Demontage und Wiederaufbau verursachen.
Befestigungen und Auflagepunkte dürfen die Dachhaut nicht unkontrolliert schädigen. Auch bestehende Garantien der Dachabdichtung sollten vor Arbeiten durch einen anderen Betrieb geklärt werden.
Ballastierung oder Durchdringung?
Flachdachsysteme können je nach Dach, Tragwerk und Herstellerkonzept unterschiedlich befestigt werden. Ballastierte Lösungen vermeiden bestimmte Durchdringungen der Dachhaut, erhöhen aber die aufgebrachte Last. Mechanisch befestigte Konzepte können geringere Ballastmengen ermöglichen, stellen dafür konkrete Anforderungen an Anschlusspunkte und Abdichtung. Die Auswahl gehört deshalb in die gemeinsame Planung von Statik, Dachdecker und PV-Fachbetrieb.
Windlast und Randbereiche
Windkräfte sind auf einem aufgeständerten Modulfeld nicht überall gleich. Dachhöhe, Gebäudegeometrie, Standort, Rand- und Eckbereiche sowie das Aufständerungssystem beeinflussen die Auslegung. Ein Montagesystem sollte deshalb mit einem nachvollziehbaren projektbezogenen Befestigungs- oder Ballastierungsplan angeboten werden und nicht nur mit einer pauschalen Anzahl Betonsteine pro Modul.
Reihenabstand, Eigenverschattung und nutzbare Fläche
Höher aufgeständerte Südreihen benötigen Abstand, damit sich die Reihen nicht unnötig gegenseitig verschatten. Ein kompakteres Ost-West-System kann eine andere Flächennutzung erlauben. Zusätzlich brauchen Attika, Dachaufbauten, Lichtkuppeln und technische Anlagen ausreichende Abstände. Deshalb sollte die mögliche kWp-Leistung immer aus einem konkreten Belegungsplan abgeleitet werden.
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Entwässerung und Wartungswege freihalten
Gullys, Notentwässerung und Wasserwege müssen auch nach der PV-Montage erreichbar und funktionsfähig bleiben. Das gilt ebenso für Wartungswege zu Dachaufbauten, Wechselrichterstandorten oder anderen technischen Einrichtungen. Eine maximal dichte Belegung ist nicht sinnvoll, wenn danach wichtige Dachbereiche nicht mehr kontrolliert oder gereinigt werden können.
PV und Gründach kombinieren
Ein Solar-Gründach ist grundsätzlich möglich. Die Verbraucherzentrale weist aber darauf hin, dass Begrünung und PV zusammen ein hohes Gewicht erzeugen können. Zusätzlich muss das Pflanzenwachstum dauerhaft beobachtet und gepflegt werden, damit keine neue Verschattung der Module entsteht.
Deshalb bereits bei Planung Pflanzenhöhe, Wartungszugang, Substrat, Entwässerung und die Position der Modulreihen gemeinsam betrachten – nicht erst nach der Installation.
Blitz- und Überspannungsschutz mitplanen
Nach VDE erhöht eine PV-Anlage die Wahrscheinlichkeit eines Blitzeinschlags grundsätzlich nicht. Bei einem Flachdach ragen die Module jedoch aus der Dachfläche heraus und müssen bei vorhandenem beziehungsweise erforderlichem Blitzschutz korrekt in das Schutzkonzept einbezogen werden. Auch Überspannungsschutz und Leitungsführung gehören zur Elektroplanung.
Diese Angaben gehören ins Flachdach-Angebot
- Belegungsplan mit Süd- oder Ost-West-Konzept.
- Modulzahl, kWp und Abstände zu Attika und Dachaufbauten.
- Montagesystem und Art der Befestigung beziehungsweise Ballastierung.
- Nachvollziehbare Last-/Windlastplanung für das konkrete Gebäude.
- Freigabe beziehungsweise Prüfung von Tragfähigkeit und Dachabdichtung.
- Entwässerungs- und Wartungswege.
- Abstimmung mit vorhandener Dachgarantie und Blitzschutz.