Verschattung zuerst zeitlich und räumlich erfassen
Verbraucherzentrale empfiehlt für PV möglichst verschattungsfreie Dachflächen. Für eine konkrete Anlage reicht die Aussage „hier ist morgens Schatten“ aber nicht: Relevant ist, welche Module in welchen Monaten und Stunden betroffen sind und ob die verschattete Fläche überhaupt belegt werden sollte.
- Gauben, Schornsteine, Antennen und Dachaufbauten erfassen.
- Bäume mit saisonalem Laub und künftigem Wachstum berücksichtigen.
- Nachbargebäude und Horizont nicht nur im Sommer betrachten.
- Verschattung in der Ertragsprognose sichtbar ausweisen lassen.
Verbraucherzentrale: PV-Planung und Verschattung →
Warum ein verschattetes Modul nicht zwingend den ganzen String „abschaltet“
Moderne PV-Module besitzen Bypassdioden, die betroffene Zellbereiche überbrücken können. Gleichzeitig sucht der Wechselrichter über sein MPP-Tracking nach einem günstigen Arbeitspunkt. Wie gut das funktioniert, hängt von Modulverschaltung, Stringlänge, Wechselrichter und Art der Verschattung ab.
Deshalb sollte im Angebot nicht nur „Optimierer gegen Schatten“ stehen, sondern auch erläutert werden, wie die Strings und MPP-Tracker konkret belegt werden.
Mehrere MPP-Tracker können unterschiedliche Dachbereiche trennen
Unterschiedliche Dachausrichtungen oder deutlich verschiedene Verschattungsprofile sollten nach Möglichkeit nicht ohne technische Begründung in denselben MPP-Zweig gezwungen werden. Ein Wechselrichter mit mehreren unabhängigen MPP-Trackern kann getrennte Bereiche unterschiedlich regeln.
MPP-Tracker und Wechselrichter-Auswahl verstehen →
Integriertes Schattenmanagement kann zusätzliche Modulelektronik vermeiden
Einige Wechselrichter verfügen über Algorithmen, die regelmäßig die Spannungs-Leistungs- Kennlinie durchsuchen und bei Teilverschattung einen günstigeren Arbeitspunkt finden. Fronius beschreibt beispielsweise ein solches Schattenmanagement direkt im Wechselrichter, ohne zusätzliche Elektronik an jedem Modul.
Fronius: integriertes Schattenmanagement als Beispiel →
Wann Leistungsoptimierer sinnvoll sein können
Optimierer können in bestimmten Anlagenkonzepten nützlich sein, etwa wenn einzelne Module sehr unterschiedliche Bedingungen haben oder das gewählte System Modulüberwachung und -regelung bewusst auf Modulebene vorsieht. Entscheidend ist jedoch die konkrete Systemarchitektur und Herstellerfreigabe.
- stark unterschiedliche Modulbedingungen innerhalb eines sonst unvermeidbaren Strings,
- Systemarchitektur, die Optimierer technisch voraussetzt,
- gewünschtes Monitoring auf Modulebene, wenn der Mehrwert den Zusatzaufwand rechtfertigt.
Warum „Optimierer auf jedes Modul“ kein neutrales Standardrezept ist
Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass Leistungsoptimierer selbst Energie benötigen, zusätzliche Kosten verursachen und bei Defekt Module beeinträchtigen können. Auch Hersteller von Wechselrichtern weisen darauf hin, dass Optimierer bei Teilverschattung nicht zwingend zu einem höheren Gesamtertrag führen.
Zusätzliche Elektronik auf dem Dach bedeutet außerdem mehr Komponenten, Steckverbindungen und potenzielle Servicepunkte über die Lebensdauer der Anlage. Ein Mehrertrag sollte deshalb mit einer nachvollziehbaren Simulation oder belastbaren Begründung dem Mehrpreis gegenübergestellt werden.
Modulwechselrichter sind eine weitere Architektur – nicht automatisch besser
Bei Modulwechselrichtern wird jedes Modul beziehungsweise eine kleine Modulgruppe separat gewandelt. Das kann bei komplexen Dachflächen Vorteile bringen, verändert aber Kosten, Wartung, Ersatzteilstrategie und die Anzahl aktiver Komponenten auf dem Dach. Auch hier sollte die Entscheidung aus dem Dachlayout entstehen und nicht aus einem pauschalen Versprechen.
Diese Angaben sollten im PV-Angebot stehen
- Verschattungsanalyse beziehungsweise dokumentierter Schattenverlauf.
- Stringbelegung und Zuordnung zu den MPP-Trackern.
- Begründung für Optimierer, falls vorgesehen.
- Hersteller und genaue Optimierer-/Wechselrichter-Kombination.
- Ertragsprognose mit und ohne vorgeschlagene Zusatztechnik, soweit verfügbar.
- Garantie- und Austauschbedingungen für Modulelektronik.
- Monitoring: Anlage, String oder tatsächlich jedes Modul?