Warum ist der PV-Ertrag im Winter niedriger?

Der wichtigste Grund ist nicht die Kälte, sondern die geringere verfügbare Sonnenenergie. Die Tage sind kürzer, die Sonne steht flacher und Bewölkung tritt häufiger auf. Deshalb kann ein Wintermonat nur einen Bruchteil der Energie eines guten Frühlings- oder Sommermonats liefern, obwohl die Anlage technisch völlig in Ordnung ist.

Kalte Module können an klaren sonnigen Tagen elektrisch sogar günstig arbeiten. Das gleicht aber die deutlich kürzere Einstrahlungsdauer und den niedrigeren Sonnenstand nicht aus.

Nicht Dezember mit Juni vergleichen

Für die Fehlersuche sollte der aktuelle Ertrag mit demselben Zeitraum früherer Jahre oder mit einer standortbezogenen Erwartung verglichen werden. Ein Vergleich mit dem besten Sommermonat führt fast immer zu falschen Schlüssen.

Sinnvoll ist der spezifische Ertrag in kWh/kWp. Damit lässt sich eine Anlage unabhängig von ihrer Größe besser mit den eigenen historischen Werten vergleichen.

PV-Ertrag und kWh/kWp verstehen →

Was passiert, wenn Schnee auf den Modulen liegt?

Eine geschlossene Schneedecke kann die Einstrahlung stark reduzieren und die Erzeugung zeitweise nahezu auf null drücken. Sobald Bereiche wieder frei werden, kann die Produktion zurückkehren. Wie schnell Schnee abrutscht oder taut, hängt unter anderem von Dachneigung, Temperatur, Sonneneinstrahlung und Schneebeschaffenheit ab.

Deshalb ist ein sehr niedriger Ertrag während sichtbarer Schneeabdeckung zunächst kein sicherer Hinweis auf einen Wechselrichter- oder Moduldefekt.

Sollte man Schnee von PV-Modulen räumen?

Auf einem normalen Hausdach sollte die Schneeräumung nicht zur Eigenleistung werden. Absturzgefahr, glatte Dachflächen und die Möglichkeit, Module oder Dachhaut durch Werkzeuge zu beschädigen, stehen meist in keinem sinnvollen Verhältnis zum zusätzlichen Winterertrag.

Wenn wegen außergewöhnlicher Schneelast, Gebäudesicherheit oder technischer Schäden tatsächlich gehandelt werden muss, sollte das ein dafür geeigneter Fachbetrieb übernehmen. Module nicht betreten und keine improvisierten Schaber oder harte Werkzeuge verwenden.

Schneelast ist eine Statikfrage

Module und Montagesysteme haben definierte mechanische Belastungsgrenzen. Entscheidend ist aber nicht nur das Modul-Datenblatt, sondern das Gesamtsystem aus Dach, Unterkonstruktion, Befestigung und regionaler Schnee-/Windlast. Besonders bei außergewöhnlich großen Schneemengen oder älteren Dachkonstruktionen sollte die Situation fachlich beurteilt werden.

Dachzustand & Statik vor PV prüfen →

Frost und Eis: nicht mechanisch entfernen

Vereisung oder festgefrorener Schnee sollte nicht mit Werkzeugen von den Modulen gelöst werden. Mechanische Belastung kann Glas, Rahmen oder Beschichtung beschädigen. Bei sichtbaren Schäden nach Frost, Sturm oder starkem Schneefall sollte die Anlage aus sicherer Entfernung dokumentiert und durch einen Fachbetrieb geprüft werden.

Monitoring im Winter besonders sinnvoll

Weil der absolute Ertrag niedrig ist, fallen einzelne Fehler im Winter optisch weniger auf. Monitoring hilft, plötzliche Sprünge, komplette Ausfälle oder auffällige Unterschiede zwischen Strings beziehungsweise MPP-Trackern trotzdem zu erkennen.

  • normal: wetterabhängige starke Tagesschwankungen,
  • normal: sehr niedrige Werte bei Schnee oder dichter Bewölkung,
  • auffällig: 0 W über mehrere sonnige Stunden bei schneefreien Modulen,
  • auffällig: ein String bleibt dauerhaft deutlich hinter einem vergleichbaren String zurück,
  • auffällig: wiederkehrende Fehlermeldungen des Wechselrichters.

Wechselrichter-Störung sicher eingrenzen →

Nach Schnee und Winter einen Sicht-/Ertragscheck machen

Nach starkem Schneefall, Sturm oder der Schneeschmelze lohnt sich ein Vergleich der Ertragsdaten und – soweit gefahrlos vom Boden oder einem sicheren Standort möglich – eine Sichtkontrolle. Auffällige verschobene Module, Glasbruch, beschädigte Kabel oder ungewöhnliche Ertragseinbrüche gehören zum Fachbetrieb.

PV-Wartung & Reinigung richtig einordnen →

Stromspeicher im Winter separat betrachten

Weniger PV-Erzeugung bedeutet auch weniger verfügbare Energie zum Laden des Batteriespeichers. Zusätzlich können niedrige Temperaturen die zulässige Ladeleistung mancher Speichersysteme beeinflussen. Deshalb sollte der Winterbetrieb von PV und Speicher nicht als ein einziges Problem betrachtet werden.

Stromspeicher im Winter & Temperatur →

Winter-Check in fünf Schritten

  1. Wetter, Tageslänge und sichtbare Schneeabdeckung berücksichtigen.
  2. Aktuelle kWh/kWp mit demselben Zeitraum des Vorjahres vergleichen.
  3. Monitoring auf Fehlercodes und ungewöhnliche String-/MPP-Abweichungen prüfen.
  4. Keine Dachreinigung, DC-Arbeiten oder Modul-Demontage in Eigenregie.
  5. Bei sichtbaren Schäden oder anhaltendem Ausfall Fachbetrieb beauftragen.

Quellen