1. Sicherheit geht vor Ertragskontrolle

Nach einem starken Unwetter können lose Dachziegel, verschobene Module, beschädigte Halterungen oder nasse elektrische Bauteile zusätzliche Risiken erzeugen. Deshalb nicht auf ein möglicherweise beschädigtes Dach steigen und keine Module, DC-Stecker oder Wechselrichter öffnen beziehungsweise lösen.

Bei akuter Gefahr durch lose Bauteile, Brandgeruch, sichtbare Lichtbögen oder beschädigte Leitungen sollte die Situation abgesperrt und ein geeigneter Fachbetrieb beziehungsweise bei unmittelbarer Gefahr die Feuerwehr verständigt werden.

2. Was lässt sich aus sicherer Entfernung prüfen?

Eine erste Dokumentation kann vom Boden, aus einem sicheren Fenster oder von einem anderen gefahrlosen Standort erfolgen. Hilfreich sind Fotos des gesamten Modulfelds und auffälliger Dachbereiche.

  • sichtbarer Glasbruch oder ungewöhnliche helle/dunkle Stellen,
  • verschobene oder schief sitzende Module,
  • lose Rahmen- oder Unterkonstruktionsteile,
  • beschädigte Dachziegel oder Dachhaut,
  • herabhängende oder sichtbar beschädigte Leitungen,
  • offensichtliche Schäden an Außengeräten oder Überspannungsschutz.

Nicht sichtbare Mikrorisse oder elektrische Schäden lassen sich damit nicht ausschließen. Eine unauffällige Sichtprüfung bedeutet deshalb nicht automatisch, dass nach extremem Hagel technisch alles unverändert ist.

3. Monitoring vor und nach dem Ereignis vergleichen

Der wichtigste digitale Hinweis ist ein klarer Bruch in den Leistungs- oder Tagesertragsdaten. Vergleichen Sie möglichst ähnliche sonnige Stunden vor und nach dem Unwetter. Bei Anlagen mit mehreren Strings oder MPP-Trackern kann ein neu entstandener Unterschied helfen, den betroffenen Bereich einzugrenzen.

  • kompletter Ausfall trotz Sonne,
  • plötzlich deutlich niedriger Tagesertrag,
  • ein String/MPP fällt gegenüber einem vergleichbaren Teilgenerator zurück,
  • neue Fehlercodes oder häufige Neustarts des Wechselrichters.

PV-Ertrag zu niedrig systematisch prüfen →

4. Hagel: Glasbruch ist nicht der einzige mögliche Schaden

Moderne Module werden auf mechanische Belastung geprüft, trotzdem kann außergewöhnlich großer oder schräg auftreffender Hagel Schäden verursachen. Neben eindeutigem Glasbruch können Zell- oder Anschlussprobleme entstehen, die sich erst im Monitoring oder bei einer fachlichen Messung zeigen.

Module nicht mit Druck, Klopfen oder anderen Eigenprüfungen testen. Wenn nach starkem Hagel ein deutlicher Leistungsabfall oder sichtbare Beschädigung vorliegt, sollte der Fachbetrieb die passende Diagnosemethode wählen.

5. Sturm: Befestigung, Randbereiche und Dachhaut mitdenken

Bei Sturm betrifft die Prüfung nicht nur die Module selbst. Windkräfte wirken auf Unterkonstruktion, Dachhaken, Ballastierung und besonders auf Rand- und Eckbereiche. Nach starkem Sturm können daher auch Dachdeckerarbeiten erforderlich sein, selbst wenn die elektrische PV-Anlage noch produziert.

Dachzustand, Statik und Befestigung einordnen →

6. Blitz und Überspannung

Nach Gewitter können Wechselrichter, Kommunikationskomponenten oder Überspannungsschutzeinrichtungen betroffen sein, auch wenn auf den Modulen kein sichtbarer Schaden erkennbar ist. Neue Fehlercodes, ausgefallenes Monitoring oder dauerhaft fehlende Einspeisung sollten deshalb nicht nur als App-Problem behandelt werden.

Blitz- & Überspannungsschutz bei PV verstehen → · Wechselrichter-Störung sicher eingrenzen →

7. Schaden möglichst früh dokumentieren und melden

Verbraucherzentrale rät, Unwetterschäden umgehend und wahrheitsgemäß dem Versicherer zu melden. Gleichzeitig sollte nichts getan werden, was die Feststellung des Schadens unnötig erschwert. Vor eigenmächtigen Reparaturen daher Versicherungsbedingungen und weiteres Vorgehen klären, sofern keine sofortige Gefahrenabwehr notwendig ist.

Für PV können je nach Vertrag Wohngebäudeversicherung oder eine spezielle Photovoltaikversicherung relevant sein. Typische versicherbare Risiken können Sturm, Hagel, Blitz/Überspannung und Ertragsausfall umfassen – entscheidend ist jedoch immer die konkrete Police.

PV-Versicherung und Deckung prüfen →

8. Wann sollte ein Fachbetrieb prüfen?

  • sichtbarer Glas-, Rahmen-, Kabel- oder Montageschaden,
  • deutlicher Ertragseinbruch nach dem Unwetter,
  • neue Wechselrichter- oder Isolationsfehler,
  • verschobene Module oder auffällige Unterkonstruktion,
  • Verdacht auf Blitz-/Überspannungsschaden,
  • Versicherer verlangt einen technischen Nachweis.

Je nach Schadensbild können Elektrofachbetrieb, PV-Fachbetrieb und Dachdecker gemeinsam erforderlich sein. Bei verdeckten Modulschäden entscheidet der Fachbetrieb, ob zusätzliche Messungen sinnvoll sind.

9. PV-Akte für den Schaden nutzen

Für Versicherung und Reparatur helfen ursprüngliche Fotos, Modul-/Wechselrichterdaten, Seriennummern, Inbetriebnahmeprotokoll, Stringplan und exportierbare Monitoringdaten. Dokumentieren Sie zusätzlich Datum und Art des Unwetters sowie Fotos unmittelbar danach.

PV-Unterlagen und digitale Anlagenakte →

Unwetter-Check in sechs Schritten

  1. Gefahrenbereich meiden und nicht aufs beschädigte Dach steigen.
  2. Anlage und Dach aus sicherer Position fotografieren.
  3. Monitoring und Fehlercodes sichern/exportieren.
  4. Bei sichtbarem oder technischem Schaden Fachbetrieb kontaktieren.
  5. Versicherer zeitnah informieren und Schadenmeldung dokumentieren.
  6. Nach Reparatur Ertragsdaten und neue Dokumente in der PV-Akte ergänzen.

Quellen