Statisches und dynamisches Lastmanagement unterscheiden
Eine feste Gesamtleistung wird auf die Wallboxen verteilt.
Die aktuelle Hauslast wird gemessen; nur die verbleibende Leistung geht ans Auto.
Kann zusätzlich PV, Speicher, Tarife und andere flexible Verbraucher koordinieren.
Der ADAC beschreibt dynamisches Lastmanagement genau nach diesem Prinzip: Der aktuelle Hausverbrauch wird gemessen und die verbleibende Anschlussleistung flexibel für das Laden freigegeben. Dadurch kann der vorhandene Hausanschluss häufig besser ausgenutzt werden als mit einer rein statischen Begrenzung.
ADAC: Wallbox mit Lastmanagement →
Wann reicht statisches Lastmanagement?
Eine statische Lösung kann genügen, wenn nur wenige Ladepunkte vorhanden sind, die sonstigen Hauslasten gut bekannt sind und eine konservativ festgelegte Leistungsreserve akzeptabel ist. Die Einfachheit ist ihr Vorteil, gleichzeitig bleibt ein Teil der Anschlussleistung oft ungenutzt.
Beispiel: Für zwei Wallboxen wird zusammen eine feste Ladeleistung von 11 kW reserviert. Ob Herd, Wärmepumpe oder andere Verbraucher gerade wenig Strom ziehen, ändert diese Grenze nicht.
Dynamisches Lastmanagement nutzt den Anschluss besser aus
Bei einer dynamischen Lösung misst ein Energiezähler oder kompatibles Messsystem die aktuelle Leistung am Netzanschlusspunkt. Steigt die Hauslast, reduziert die Wallbox ihre Ladeleistung. Sinkt sie wieder, kann die Wallbox mehr Leistung freigeben.
- besonders sinnvoll bei Wärmepumpe und Wallbox am selben Anschluss,
- hilfreich bei mehreren Ladepunkten,
- relevant, wenn eine Verstärkung des Hausanschlusses teuer wäre,
- Basis für viele PV-Überschusslade- und HEMS-Konzepte.
Lastmanagement und PV-Überschussladen sind nicht dasselbe
Dynamisches Lastmanagement schützt primär den Hausanschluss. PV-Überschussladen verfolgt zusätzlich das Ziel, möglichst wenig Netzstrom zu verwenden und die Ladeleistung an den aktuell verfügbaren Solarüberschuss anzupassen. Beides kann dieselbe Messhardware verwenden, die Regelziele sind aber unterschiedlich.
Moderne Systeme kombinieren beides: Erst wird verhindert, dass die verfügbare Anschlussleistung überschritten wird, anschließend kann innerhalb dieses Rahmens nach PV-Erzeugung, Strompreis oder Ladeziel optimiert werden.
PV-Überschussladen im Detail → · Wallbox & HEMS-Kompatibilität →
Was passiert mit Wärmepumpe, Speicher und §14a?
Eine Wärmepumpe ist kein beliebig verschiebbarer Verbraucher. Komfort, Heizlast, Warmwasser und mögliche Sperr-/Steuersignale müssen berücksichtigt werden. Ein Batteriespeicher kann zusätzlich laden oder entladen und damit die gemessene Anschlussleistung verändern.
§14a EnWG ist davon getrennt zu betrachten: Die netzorientierte Steuerung durch den Netzbetreiber ist keine private Hausanschluss-Optimierung. Ein gutes System sollte deshalb interne Lastbegrenzung, HEMS-Logik und die externe Steuerbarkeit sauber auseinanderhalten.
§14a und Netzentgelt verstehen → · Hausanschluss-Lastcheck →
Mehrere Wallboxen: Verteilung muss zur Nutzung passen
Bei zwei oder mehr Ladepunkten reicht „Lastmanagement vorhanden“ als Angebotsangabe nicht. Wichtig ist, nach welchem Prinzip verteilt wird: gleichmäßig, priorisiert, nach Nutzer, nach Abfahrtszeit oder nach Mindestladeleistung. Auch die Frage, ob alle Fahrzeuge gleichzeitig einphasig oder dreiphasig laden können, beeinflusst das Ergebnis.
Diese Punkte im Angebot konkret verlangen
- Statisch oder dynamisch?
- Wo und wie wird die aktuelle Hauslast gemessen?
- Welche maximale Gesamtleistung wird begrenzt?
- Welche Mindestladeleistung je Fahrzeug bleibt möglich?
- Wie werden mehrere Ladepunkte priorisiert?
- Ist PV-Überschussladen enthalten oder nur Lastschutz?
- Welche Schnittstelle verbindet Wallbox, Zähler und HEMS?
- Wie wird §14a-Steuerbarkeit technisch umgesetzt?
- Funktioniert das System auch ohne Hersteller-Cloud lokal weiter?
Lastmanagement kann eine Anschlussverstärkung vermeiden – aber nicht garantieren
Ob der vorhandene Hausanschluss genügt, hängt von Hauptsicherung, Leitungen, Gleichzeitigkeiten, vorhandenen Verbrauchern und den technischen Anschlussbedingungen ab. Lastmanagement ist ein Werkzeug zur Leistungsbegrenzung, ersetzt aber keine Prüfung durch Elektrofachbetrieb und Netzbetreiber.