Sind Lithium-Heimspeicher grundsätzlich brandgefährlich?

Lithium-Batterien können bei inneren oder äußeren Fehlern große Energiemengen freisetzen. Daraus folgt aber nicht, dass ein fachgerecht ausgelegter Heimspeicher im normalen Betrieb automatisch ein hohes Brandrisiko darstellt. Sicherheitskonzept, Zellqualität, Batteriemanagement, elektrische Schutzmaßnahmen und korrekte Installation sind entscheidend.

Der Bundesverband Solarwirtschaft verweist für private Lithium-Speicher auf etablierte Sicherheitsanforderungen und darauf, dass ordnungsgemäß eingesetzte Systeme sicher betrieben werden können. Für Käufer ist deshalb wichtiger, nachvollziehbare Systemnachweise zu prüfen als mit pauschalen Aussagen über einzelne Zellchemien zu arbeiten.

Welche Sicherheitsregeln sind bei Heimspeichern relevant?

Die DKE führt die VDE-AR-E 2510-50 als aktuelle Anwendungsregel für stationäre Energiespeichersysteme mit Lithium-Batterien im privaten und kleingewerblichen Bereich. Sie betrachtet Sicherheit über den kompletten Lebenszyklus – von Transport und Installation bis Betrieb, Instandsetzung, Demontage und Recycling.

Für stationäre elektrische Energiespeichersysteme mit Anschluss an das Niederspannungsnetz ist zusätzlichVDE-AR-E 2510-2 relevant. Sie umfasst unter anderem Planung, Errichtung, Betrieb, Aufstellbedingungen, Inbetriebnahmemessungen und Kennzeichnung.

Ein Endkunde muss diese Regelwerke nicht selbst anwenden. Sinnvoll ist aber, im Angebot beziehungsweise Datenblatt nachvollziehen zu können, nach welchen Sicherheitsanforderungen das konkrete System entwickelt und geprüft wurde.

Das Batteriemanagementsystem ist eine zentrale Schutzebene

Das BMS überwacht unter anderem Zellspannungen, Temperaturen und Ladezustände und begrenzt beziehungsweise beendet Lade- oder Entladevorgänge, wenn definierte Grenzen überschritten werden. Es ersetzt keine fachgerechte Installation, ist aber ein wesentlicher Teil des Sicherheitskonzepts eines Lithium-Speichers.

Deshalb sollte ein Speicher nicht mit inoffiziellen Batteriemodulen, ungeprüften Firmware-Manipulationen oder Komponenten betrieben werden, die vom Hersteller nicht für die konkrete Systemkombination freigegeben sind.

Der Aufstellort muss zum konkreten Speicher passen

Keller, Hauswirtschaftsraum oder Garage sind nicht pauschal sicher oder unsicher. Entscheidend sind die Herstellerfreigabe, Temperatur, Feuchte, Abstand zu Wärmequellen, mechanischer Schutz, Belüftungsanforderungen, Fluchtwege und Wartungszugang. Ein Speicher sollte nicht allein deshalb in einem Raum montiert werden, weil dort gerade freie Wandfläche vorhanden ist.

Keller, Garage und Hauswirtschaftsraum vergleichen → · Temperaturgrenzen im Winter prüfen →

Temperaturmanagement ist Sicherheits- und Lebensdauerthema

Sehr hohe Temperaturen beschleunigen Alterung und können Schutzfunktionen stärker beanspruchen. Bei niedrigen Temperaturen können Ladegrenzen gelten. Das BMS kann die Ladeleistung reduzieren oder das Laden sperren. Improvisierte Heizlüfter, Dämmkisten oder Abdeckungen sind kein Ersatz für einen zulässigen Aufstellort.

Elektrische Installation und Inbetriebnahme dokumentieren

Speicher, Batterie-Wechselrichter beziehungsweise Hybridwechselrichter, Schutzgeräte und Netzanschluss müssen als System zusammenpassen. Die Inbetriebnahme sollte nicht bei „App funktioniert“ enden. Dokumentation, Einstellungen, Schutzkonzept, maximal zulässige Leistungen und gegebenenfalls Ersatzstromfunktion sollten nachvollziehbar übergeben werden.

Notstrom und Ersatzstrom richtig planen → · Speicher-Nachrüstung planen →

Warnzeichen, bei denen der Betrieb nicht einfach fortgesetzt werden sollte

  • ungewöhnlicher Geruch, Rauch oder sichtbare Verfärbungen,
  • deutlich auffällige Erwärmung außerhalb des normalen Betriebs,
  • aufgeblähte oder mechanisch beschädigte Module beziehungsweise Gehäuseteile,
  • wiederkehrende BMS-, Isolations- oder Temperaturfehler,
  • Wassereintritt oder starke Feuchte am System,
  • Schäden nach Überspannung, Brandereignis, Hochwasser oder mechanischem Stoß.

Bei solchen Auffälligkeiten sollte nach Hersteller- beziehungsweise Fachbetriebsanweisung gehandelt werden. Das eigenständige Öffnen von Batteriemodulen, Überbrücken von Schutzfunktionen oder Arbeiten an Hochvolt- beziehungsweise Gleichstromkomponenten sind kein DIY-Thema.

Was ist im Brand- oder Rauchfall wichtig?

Bei Rauch, Feuer oder akuter Gefahr gilt zuerst Personenschutz: Gebäude verlassen, andere Personen warnen und den Notruf wählen. Einsatzkräfte sollten darüber informiert werden, dass eine PV-Anlage mit Batteriespeicher vorhanden ist und wo sich Speicher, Wechselrichter und gegebenenfalls Abschaltmöglichkeiten befinden.

Herstellerunterlagen und Anlagenkennzeichnung sollten deshalb auch nach Jahren auffindbar sein. BSW-Solar stellt für PV-Anlagen mit Speicher entsprechende Hinweise und Kennzeichnungen für Einsatzkräfte bereit.

Versicherung und Dokumentation nicht vergessen

Nach Installation sollte geprüft werden, ob Gebäude- beziehungsweise Photovoltaikversicherung über die neue Speicherkonfiguration informiert werden muss. Rechnung, Seriennummer, Inbetriebnahmeprotokoll, Garantiebedingungen, Datenblätter und Fotos der Installation sollten dauerhaft gespeichert werden.

Sicherheits-Check vor dem Kauf

  1. Komplettes Speichersystem und Herstellerfreigaben festlegen.
  2. Relevante Sicherheitsnachweise im Datenblatt beziehungsweise Angebot prüfen.
  3. Zulässigen Aufstellort, Temperatur und Feuchtebereich dokumentieren.
  4. Montage durch qualifizierten Fachbetrieb einplanen.
  5. Schutzkonzept und Inbetriebnahme dokumentieren lassen.
  6. Notstrom-/Ersatzstromfunktion separat prüfen, falls gewünscht.
  7. Firmware-, Service- und Rückrufkommunikation des Herstellers sicherstellen.
  8. Unterlagen für Feuerwehr, Versicherung und spätere Wartung aufbewahren.

Quellen