Was sind Ladeverluste?

Die Traktionsbatterie speichert Gleichstrom, während beim heimischen Laden Wechselstrom aus dem Netz kommt. Das On-Board-Ladegerät des Fahrzeugs wandelt AC in DC um. Dabei entstehen Verluste. Zusätzlich benötigen Steuergeräte, Pumpen, Kommunikation und gegebenenfalls Batterieheizung oder -kühlung während des Ladevorgangs Energie.

Deshalb kann der Stromzähler am Haus beispielsweise mehr Energie erfassen, als der Bordcomputer beziehungsweise die Batterie als nutzbare Ladeenergie ausweist.

Was hat der ADAC 2026 gemessen?

Der ADAC hat fünf aktuelle Elektroautos zwischen 10 und 90 Prozent Ladezustand bei vergleichbarer Batterietemperatur untersucht. Verglichen wurden Laden an 2,3 kW Haushaltssteckdose, Laden mit maximaler AC-Leistung an der Wallbox und reduziertes Wallbox-Laden mit 4,1 kW als Modell für PV-Überschussladen.

Bei maximaler Wallbox-Leistung lagen die gemessenen Verluste je nach Testfahrzeug zwischen 5,1 und 7,0 Prozent. Beim reduzierten PV-Laden wurden 8,0 bis 12,8 Prozent gemessen. An der Haushaltssteckdose lagen die Werte zwischen 12,7 und 24,2 Prozent.

Diese Spannweiten sind keine allgemeingültigen Standardwerte für jedes Elektroauto. Sie zeigen aber deutlich, wie stark Fahrzeug und Ladeleistung die Verluste beeinflussen können.

Warum geringe Ladeleistung höhere Verluste verursachen kann

Während des Ladevorgangs ist Fahrzeugelektronik aktiv. Der ADAC nennt für Steuer- und Nebenkomponenten Größenordnungen von etwa 100 bis 300 Watt. Je länger ein Fahrzeug lädt, desto länger laufen diese Verbraucher mit.

Deshalb kann ein niedriger Ladestrom trotz gleicher in die Batterie geladener Energiemenge prozentual höhere Verluste erzeugen. Das erklärt auch, warum das Laden an der Haushaltssteckdose in der aktuellen Messung deutlich schlechter abschnitt als das Laden mit hoher Wallbox-Leistung.

PV-Überschussladen: Effizienz gegen Eigenverbrauch abwägen

Beim PV-Überschussladen ist eine geringe Ladeleistung nicht automatisch wirtschaftlich schlecht. Zwar können die prozentualen Ladeverluste steigen, dafür kann mehr eigener Solarstrom genutzt werden und weniger teurer Netzstrom nötig sein. Entscheidend ist deshalb nicht nur der technische Wirkungsgrad, sondern die Gesamtkosten der geladenen Energie.

Besonders relevant wird die Mindestladeleistung der Kombination aus Fahrzeug und Wallbox sowie eine mögliche automatische Phasenumschaltung.

PV-Überschussladen und Phasenumschaltung verstehen → · Solarstromanteil berechnen →

Warum Schuko keine gute Dauerlösung ist

Neben den höheren gemessenen Ladeverlusten spricht auch die elektrische Dauerbelastung gegen die Haushaltssteckdose als regulären Ladepunkt. Eine fest installierte Wallbox wird für die hohe mehrstündige Last geplant und fachgerecht angeschlossen. Die Haushaltssteckdose sollte deshalb nicht als günstiger Ersatz für eine Wallbox betrachtet werden.

Was kosten 5, 10 oder 15 Prozent Ladeverlust?

Je höher Fahrleistung und Strompreis, desto stärker wirken sich Ladeverluste auf die Jahreskosten aus. Wichtig ist bei der Rechnung, nicht einfach einen Prozentwert auf die im Akku benötigte Energie aufzuschlagen: Wenn beispielsweise 10 Prozent der aus dem Netz bezogenen Energie verloren gehen, müssen für 1.000 kWh in der Batterie rund 1.111 kWh aus dem Netz bezogen werden.

Verlust-kWh und Kosten mit eigenen Werten berechnen →

Tarifvergleich immer mit Netzbezug statt nur Fahrzeugverbrauch rechnen

Ein Fahrzeugverbrauch von beispielsweise 18 kWh/100 km ist nicht automatisch identisch mit dem Strom, der am Hauszähler für dieselben 100 Kilometer anfällt. Für einen realistischen Tarif- oder PV-Vergleich sollte deshalb ein Ladeverlust berücksichtigt werden.

Separaten Wallbox-Tarif mit realistischen Jahres-kWh vergleichen →

Auch die elektrische Zuleitung verursacht Verluste

Neben dem Fahrzeug entstehen auch in der Hausinstallation Leitungsverluste. Länge, Leiterquerschnitt, Strom und Verlegebedingungen beeinflussen diese Verluste. Deshalb sollte eine lange Leitung zum Carport oder zur Garage nicht nur nach Anschaffungspreis dimensioniert werden.

Kabelquerschnitt, Spannungsfall und Leitungslänge planen →

Kälte kann zusätzliche Energie für Batteriekonditionierung erfordern

Bei niedrigen Temperaturen kann das Fahrzeug Energie zum Erwärmen der Batterie benötigen. Beim DC-Schnellladen hat der ADAC in seiner aktuellen Untersuchung zusätzliche Verluste durch Batterieheizung beobachtet. Auch zuhause kann die reale Ladeeffizienz deshalb von Temperatur und Fahrzeugstrategie abhängen.

So reduzieren Sie unnötige Ladeverluste

  1. Eine fachgerecht installierte Wallbox statt dauerhafter Schuko-Ladung nutzen.
  2. Unnötig extrem niedrige Ladeleistung vermeiden, wenn kein PV- oder Tarifvorteil dagegensteht.
  3. PV-Laden nach Gesamtkosten statt nur nach Wirkungsgrad bewerten.
  4. Lange Zuleitungen passend dimensionieren lassen.
  5. Bei Tarifvergleichen den tatsächlichen Netzbezug inklusive Ladeverlusten verwenden.
  6. Fahrzeug- und Wallbox-Einstellungen auf zeitgesteuertes beziehungsweise intelligentes Laden abstimmen.

Quellen